


Nachdem ich meine Selbstversorger – Gemüsegarten Wunschliste für dieses Gartenjahr erstellt habe, geht es an die Beetplanung. Das ist bei mir eine eher flexible Angelegenheit. Seit einigen Jahren mache ich mir Notizen und schreibe auf, was ich wo und wann in welchem Beet ausgesät und angebaut habe. Das ist mehr oder weniger eine lose Zettelsammlung, die inzwischen ihr Zuhause in einem Gartenordner gefunden hat. Hier sammle ich auch alle möglichen Informationen zum Gemüseanbau oder zur Behandlung von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen. Wenn ich es schaffe notiere ich mir auch, wann die Samen aufgegangen sind, wann ich die Pflanzen pikiert habe, wann ich die Jungpflanzen ins Beet gesetzt habe und wann ich anfangen konnte zu ernten. Auch Notizen zu Wetterextremen wie Frost, langer Trockenheit, Problemen mit Pflanzenkrankheiten und Schädlingen oder dem „Dachsangriff“ vom letzten Jahr finde ich hier wieder. Ebenso hefte ich meine Saatgutbestellungen in diesem Ordner ab. So habe ich alles an einem Ort und kann, für meine jährliche Beetplanung, immer wieder auf diese Informationen zurückgreifen.
Mir ist es sehr wichtig mein Gemüse ohne Kunstdünger, künstliche Pflanzenschutzmittel oder industriell hergestellte Schädlingsbekämpfungsmittel anzubauen. Für mich ist mein Garten ein Ort der Inspiration und Kreativität. Hier baue ich nicht nur mein Gemüse an, das mich dann wieder zu den ausgefallensten kulinarischen Kreationen inspiriert, sondern ich kann mich auch beim Gemüseanbau gestalterisch betätigen. Neben dem gesunden, leckeren Gemüse das ich in meinem Garten ernte, ist die immer neue Gestaltung des Gartens ein Aspekt der mir sehr viel Freude macht und mich endlose Stunden im Garten verbringen läßt. Für mich ist das keine Arbeit. Hier kann ich mich kreativ ausdrücken. Deshalb ist meine Beetplanung auch eher ein work in progress und egal was ich mir vorher notiere, am Ende sieht mein Garten doch meist anders aus als urprünglich geplant 😉



Damit mein Gemüse gesund wachsen kann, ist es natürlich trotzdem wichtig auf einige Dinge beim Gemüseanbau zu achten. Anfangs habe ich alles einfach kreuz und quer ausgesät und mir gar keine Gedanken darüber gemacht, daß es irgendwelche Regeln beim Gemüseanbau geben könnte. Da es mir soviel Spaß gemacht hat, Gemüse anzubauen habe ich mehr damit beschäftigt, Bücher gekauft und auch im Internet recherchiert. So bin ich dann schließlich über Begriffe wie Mischkultur, Anbaupausen und Fruchtfolge gestolpert. Zu Beginn fand ich diese Informationen sehr verwirrend und es hat einige Zeit gebraucht, bis ich sie gut und sinnvoll in meinem Garten umsetzten konnte. Als ich anfing mich mehr und intensiver mit der Gemüse-Selbstversorgung und dem Gemüseanbau zu beschäftigen, fand ich die Prinzipien der Mischkultur, Anbaupauen und Fruchtfolge teilweise eher einschränkend und hemmend für mich. Plötzlich gab es so viele Regeln und Prinzipien auf die ich beim Gemüseanbau achten sollte! Letztendlich handhabe ich es so, wie die meisten Dinge in meinem Leben, ich nutze das was ich für sinnvoll halte und unkompliziert umsetzen kann. Den Rest lasse ich einfach weg. Auch wenn ich nach vielen Gärtnerinnenjahren inzwischen sehr vertraut bin mit Mischkultur, Anbaupausen und Fruchtfolge vertraue ich am Ende eher meiner Erfahrung und meinem Bauchgefühl, als Tabellen aus Büchern 🙂

Wenn Du Dich mehr mit der Selbstversorgung und dem Gemüseanbau beschäftigst, werden Dir immer wieder die Begriffe Mischkultur, Anbaupausen und Fruchtfolge begegnen. Damit Du weißt, worum es dabei geht, erkläre ich Dir hier diese Begriffe so einfach wie möglich.
Grundsätzlich geht es darum mit Hilfe natürlicher Prinzipien den Boden gesund zu erhalten und die Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen zu vermeiden.
Wie schaffe ich das, ohne künstlichen Dünger, künstliche Pflanzenschutzmittel und künstliche Schädlingsbekämpfungsmittel benutzen zu müssen?
Jede Pflanze braucht ganz bestimmte Nährstoffe. Wenn Du nun jedes Jahr die selbe Pflanze auf dem selben Beet anbaust, werden dem Boden immer die selben Nährstoffe entzogen. Gleichzeitig haben Pflanzenkrankheiten und Schädlinge, die sich auf dieses Gemüse oder diese Pflanzenfamilie spezialisiert haben, die Möglichkeit sich immer mehr auszubreiten.
Um genau das zu verhindern nutzt Du Anbaupausen und Fruchtfolgen in Deinem Garten:
- Mit Anbaupause ist gemeint, daß ich für einen gewissen Zeitraum kein Gemüse aus der selben Pflanzenfamilie auf diesem Beet anbaue. Für die meisten Pflanzenfamilien reicht eine Anbaupause von drei bis vier Jahren aus. Wenn es starke Probleme mit Pflanzenkrankheiten oder Schädlingsbefall gibt, sind längere Anbaupausen notwendig.
- Hier ein Beispiel: Im 1. Jahr baue ich Zwiebeln an, die gehören zur Pflanzenfamilie der Liliengewächse und gehören zu den Schwachzehrern. In den nächsten zwei bis drei Jahren baue ich KEINE Liliengewächse, also kein Gemüse aus der Zwiebelfamilie (Schnittlauch, Porree, Knoblauch etc. ) auf diesem Beet an, sondern wähle Gemüse-Sorten aus anderen Pflanzenfamilien. Frühestens im 4. Jahr baue ich hier wieder Gemüse aus der Familie der Liliengewächse an.
Für manche Pflanzenfamilien werden sogar noch längere Anbaupausen empfohlen. Das läßt sich gut realisieren, indem man z.B. Erdbeeren, Blumen, Gründüngung und fruchtfolgeneutrale Pflanzen in die Beetplanung aufnimmt. Erdbeeren z.B. können 3 bis 4 Jahre in einem Beet stehen. Danach ist das Beet wieder neutral, da wir keine anderen Rosengewächse in der Fruchtfolge haben. Dann gibt es noch sogenannte fruchtfolgeneutrale Pflanzen. Von diesen Pflanzenfamilien gibt es nur sehr wenige Gemüsesorten die im Gemüsegarten genutzt werden. Mit diesen Pflanzen können Anbaupausen unkompliziert verlängert werden, ohne daß die Beet komplett leer stehen. Zu diesen Pflanzen gehören z.B. Feldsalat, Portulak, Phacelia, Buchweizen oder Borretsch.
- Bei der Fruchtfolge geht es zusätzlich noch um den Nährstoffbedarf der Gemüsepflanzen. Dazu werden die Pflanzen zusätzlich in Schwachzehrer, Mittelstarkzehrer und Starkzehrer eingeteilt.
- Schwachzehrer sind Pflanzen, die einen sehr geringen Nährstoffbedarf haben (z.B. Radieschen und Zwiebeln) oder dem Boden sogar wieder Nährstoffe zuführen (z.B. Bohnen)
- Mittelstarkzehrer sind jene Gemüsesorten, die einen moderaten, „normalen“ Nährstoffbedarf haben (z.B. Rote Beete oder Knoblauch).
- Starkzehrer schließlich sind jene Pflanzen die einen sehr hohen Nährstoffbedarf haben. Dazu zählen z.B. Tomaten, Kürbisse und einige Kohlsorten.
Diese Einteilung ist kein starres System. Viele Pflanzen können zwei Kategorien zugeordnet werden. Dann kommen mein Bauchgefühlt und meine gärtnerische Erfahrung wieder ins Spiel um zu entscheiden auf welchem Beet ich diese Pflanzen einplane.
Auch wenn ich Anbaupausen und Fruchtfolge einhalte, muss ich dem Boden natürlich zusätzliche Nährstoffe von außen zuführen. Natürliche Dünger sind z.B. Pflanzenjauchen, Gründüngung, Mulch, reifer Kompost und Mist, die ich je nach Bedarf in meinem Selbstversorger – Gemüsegarten verwende.

Das dritte Gemüse-Anbau-Prinzip, das ich sehr gerne in meinem Selbstversorger-Gemüsegarten nutze, ist die Mischkultur.
Was ist damit gemeint?
Bei der Mischkultur baue ich zwei Gemüse, die gut zueinander passen, im selben Beet an. Typische Beispiele für Mischkultur sind z.B. Zwiebeln und Karotten, Tomaten und Basilikum oder Erdbeeren und Knoblauch.
Wofür soll das gut sein?
Zum einen kann ich beim Anbau in Mischkultur den Platz in den Beeten besser nutzen. Zum anderen unterstützen sich die Pflanzen, durch bestimmte Stoffe, die sie ausscheiden, dabei gesund und kräftig zu wachsen. Die Mischkultur beruht in erster Linie auf Erfahrungswissen, traditionellen Anbaumethoden und Naturbeobachtung.
Überall in der Natur wachsen Pflanzen in Gemeinschaften. Teilweise geht das sogar soweit, daß Pflanzen aufeinander angewiesen sind um überhaupt wachsen zu können. Auch bei Naturvölkern wachsen in den Gärten und auf den Feldern immer mehrere Gemüse gemeinsam. Ein schönes Beispiel sind „Die drei Schwestern“ der Nordamerikanischen Indianer, hier wachsen Kürbis, Stangenbohnen und Mais gemeinsam in einem Beet. Inzwischen gibt es weltweit auch immer mehr Landwirte, die Mischkulturen im Obst- und Gemüseanbau nutzen.
Der letzte Baustein, den ich bei meiner Beetplanung nutze, ist mein rotierendes Sieben-Beete-System. Indem ich meinen Garten in Flächen einteile, die sich durch die Zahl sieben teilen lassen kann ich mein Gemüse ganz entspannt Jahr für Jahr von Beet zu Beet wandern lassen und muß mir letztendlich gar nicht mehr sooo viel Gedanken um meine Beetplanung machen 😉 Anbaupausen und Fruchtfolge sind (fast) automatisch berücksichtigt.
So könnte eine Beetplanung für das rotierende Sieben-Beete-System aussehen :
| Jahr / Beet | Mögliches Gemüse |
| Jahr 1 / Beet 1 | Bohnen / Erbsen / Lupinen /Hülsenfrüchte allgemein / Bohnenkraut |
| Jahr 2 / Beet 2 | Tomaten / Zuccini / Kürbis / Gurke / Basilikum |
| Jahr 3 / Beet 3 | Zwiebelgewächse / Möhren / Rote Beete / Pastinaken |
| Jahr 4 / Beet 4 | Spinat / Salat / Schwarzwurzel / Nachtkerze / Haferwurz / Speisechrysanthemen / Neuseeländer Spinat / Malabarspinat |
| Jahr 5 / Beet 5 | Kohl / Asiagemüse / Rettiche / Sellerie |
| Jahr 6 / Beet 6 | Kartoffeln / Kapuzinerkresse |
| Jahr 7 / Beet 7 | Erdbeeren / Zwiebelgewächse |
Und hier noch einmal die selbe Beetplanung wie oben mit den Pflanzenfamilien:
| Jahr / Beet | Mögliche Pflanzenfamilien (Gemüse) |
| Jahr 1 / Beet 1 | Schmetterlingsblütler (Bohnen, Erbsen, Hülsenfrüchte) Lippenblütler (Bohnenkraut) |
| Jahr 2 / Beet 2 | Nachtschattengewächse (Tomaten) Kürbisgewächse (Zuccini / Kürbis / Gurke) Lippenblütler (Basilikum) |
| Jahr 3 / Beet 3 | Lilienblütengewächse (Zwiebelgewächse) Doldenblütler (Möhren / Pastinaken) Gänsefußgewächse (Rote Beete) |
| Jahr 4 / Beet 4 | Gänsefußgewächse (Spinat) Korbblütler (Salat / Speisechrysanthemen / Schwarzwurzel / Haferwurz) Nachtkerzengewächse (Nachtkerze) Eiskrautgewächse (Neuseeländer Spinat) Baselgewächse (Malabarspinat) |
| Jahr 5 / Beet 5 | Kreuzblütler (Kohl / Asiagemüse / Rettiche) Doldenblütler (Sellerie) |
| Jahr 6 / Beet 6 | Nachtschattengewächse (Kartoffeln) Kapuzinerkressegewächse (Kapuzinerkresse) |
| Jahr 7 / Beet 7 | Rosengewächse (Erdbeeren) Liliengewächse (Zwiebeln) |
In der Tabelle habe ich Dir Beispiele für Gemüse genannt, die Du in dem jeweiligen Beet anbauen könntest. Natürlich baust Du nicht vier oder fünf verschiedene Gemüse in einem Beet an 😉 , sondern suchst Dir ein oder zwei Gemüsesorten aus. Mir hilft diese Tabelle dabei meinen Gemüsegarten ein bischen strukturierter zu planen.
Meine Beetplanung findet normalerweise nicht am Schreibtisch statt. Meist stehe ich in meinem Garten und überlege welches Gemüse ich wo schon angebaut habe und teile ihn dann so ein, wie es sich für mich richtig anfühlt. Die Notizen in meinem schon erwähnten Gartenordner helfen meinem Gedächtnis gelegentlich etwas auf die Sprünge 🙂
Wenn ich die Beetplanung weitestgehend abgeschlossen habe, wird es Zeit, mein Saatgut zu überprüfen und das nachzubestellen, was ich für dieses Gartenjahr noch brauche.
Was bei meiner Saatgutüberprüfung herausgekommen ist, was ich nachkaufen muss und wie ich mein Saatgut lagere, das erfährst Du in meinem nächsten Blogbeitrag 🙂
Als Unterstützung für Deine eigene Beetplanung, habe ich Dir meine beiden Beispiele für das rotierende Sieben-Beete-System HIER als kostenloses PDF zum runterladen verlinkt.
Komm mit und laß uns gemeinsam gärtnern 🙂
Deine Moana Wildpfade